Thimun
Vielleicht haben Sie schon mal gehört von den Model United Nations in Den Haag. In diesem Beitrag wird klargemacht was THIMUN ist, was da gemacht wird und was es den Teilnehmern bedeutet.
Deutlichkeitshalber werde ich zunächst erklären was die Abkürzung THIMUN bedeutet: The Hague International Model United Nations. THIMUN ist ein Simulationsspiel in der Form eines Kongresses das jedes Jahr veranstaltet wird von der THIMUN-Foundation, einer von den Vereinten Nationen anerkannten NGO1.
Dieser Kongress wird veranstaltet in dem Nederlands Conges Centrum in Den Haag und dauert eine ganze Arbeitswoche. Die Gemeinsprache ist Englisch. Andere Sprachen sind in der Versammlung nicht zugelassen. Die Kleidungsvorschrift ist die eines normalen VN-Diplomaten: Anzug, Oberhemd, Schlips und kleidsame Schuhe.
An diesem Kongress dürfen nur Internationale Schulen und Gymnasien aus der ganzen Welt teilnehmen. Jede Schule die mitmacht bekommt ein Land oder eine NGO zugewiesen und darf eine Delegation von 8 bis 18 Personen schicken. Das hängt ab von der Zahl der Versammlungen, woran das Land teilnimmt. Die Delegation vertritt dann das Land und spricht auch im Namen dieses Landes.
In der Periode die dem wirklichen Kongress vorangeht ist es die Absicht, dass die Delegation sich auf ihre Aufgabe vorbereitet, sie muss sich auch ins Bild setzen über die politische Lage ‘ihres' Landes. Es wird auch empfohlen, im Voraus Resolutionen zu schreiben über die Themen die in dem Kongress besprochen werden, und auch dafür eine Lobby zu bilden.
Während des Kongresses selbst werden dann die sogenannten Resolutionen behandelt: sie werden vorgelesen, es wird darüber debattiert und schließlich wird darüber abgestimmt. Wird die Resolution angenommen, so wird sie in den Jahresbericht aufgenommen, scheitert sie, dann landet sie in dem Papierkorb.
Es gibt sechs verschiedene Gremien, hier weiter Versammlungen genannt: die General Assembly (GA), den Economic and Social Council (ECOSOC), den Security Council (SC), den International Court of Justice (ICJ), die Disarnament Commission (DC) und zum Schluß die Special Conference (SC(IS)2.
Jede Versammlung (also nicht jede Sitzung) werden ungefähr 6 bis 8 Resolutionen behandelt.
An Ende des Kongresses wird das Jahrbuch der THIMUN verfasst und die Resolutionen die von der Versammlung verabschiedet worden sind, werden darin eingetragen. Diese Resolutionen werden anschließend auch in den wirklichen VN gehandelt, als vollwärtige Resolutionen.
Hierunter gebe ich meine eigene Erfahrung mit THIMUN.
Ich finde THIMUN ein herrlicher Kongress: man lernt viele andere Menschen, Kulturen und Standpunkte über bestimmte Themen kennen. Da die Teilnehmer buchstäblich von über die ganze Welt kommen, lebt man dort eine Woche lang in einer ‘Mini-Welt' in der man eine breitere Sicht auf die wirkliche Welt entwickelt: man hat im Kleinen üben können...
Ich habe selbst sehr aktiv am Lobbyverfahren teilgenommen und habe auch eine Resolution geschrieben (die übrigens nicht behandelt worden ist), dadurch ist mein Name bekannt geworden, was zur Folge hat dass Leute leicht Kontakt machen. Das hat wieder zur Folge, dass THIMUN nicht am letzten Tag des Kongresses endete, sondern ein viel längeres Gefolge bekam und jetzt noch hat. Ich habe nämlich jetzt noch daraus einige Kontake und Freunde.
Aber es gibt noch mehr: zunächst lernt man auf gutem Niveau fließend Englisch sprechen und man bekommt Einsicht in viele Angelegenheiten und Probleme womit viele Menschen konfrontiert werden (man denke am AIDS, Malaria und Naturschutz). Und das alles indem man eine verhältnismäßig kurze Periode mit einander darüber spricht!
Es ist natürlich nicht nur eine große Festwoche. Wenn man es richtig machen will, soll man tüchtig arbeiten.
Erstens muss man dafür sorgen, Mitglied einer Delegation zu werden. Für Leute, die zum zweiten Mal teilnehmen ist das kein Problem, aber wer zum ersten Mal mitmacht muss durch eine Selektionsrunde kommen, wobei seine kommunikative Fähigkeiten getestet werden.
Weiter muss man beweisen viel Einsicht in ein bestimmtes Thema zu haben und dafür in kurzer Zeit viele Kenntnisse über dieses Thema gewinnen.
Es ist eine Herausforderung auf jeden Fall ohne Mühe Englisch zu verstehen und man soll keine Angst haben vor einer größeren Gruppe von etwas 200 bis 1000 Mann zu sprechen.
Man soll Ahnung haben von dem Thema worüber man spricht, was eine lange und intensive Vorbereitung verlangt. Vorbereitung bei der Debatte ist viel mehr als die Hälfte der Arbeit. Aufmerksamkeit und mindestens einmal pro Tag eine klare Frage stellen, das sind eigentlich auch minimale Voraussetzungen. Wenn man zumindest mehr als Füllsel sein möchte.
Weiter dauert jede Sitzung von 9.00 bis 17.00 Uhr. Die Abende braucht man zur Vorbereitung auf den folgenden Tag und teilweise zur Erholung.
Das Mittagsessen ist gut, auch für Vegetarier. Die Organisation bietet ein Abendprogramm an den letzten drei Abenden: Mittwoch und Donnerstag gibt es einen Film, am Freitag eine Disko (wärmstens empfohlen!). Die anderen Abende muss man selbst gestalten.
Alles im allen ist THIMUN sicher aller Mühe mehr als 10mal wert, und wenn die Delegation zu der du gehörst selbst auch noch eine tolle Gruppe ist (vielen Dank an alle!), dann ist es eine unschätzbare Erfahrung.
(1) NGO, Non Governmental Organisation: eine von den VN anerkannte Organisation, mit einer Delegation anwesend in den Situngen der VN; zum Beispiel IMF, UNICEF, TIMUN-Foundation und UNDP.
(2) SC(IS) Special Conference: Information Society (dies war das Thema dieses Jahres; die letzten zwei Buchstaben der Special Conference-Abkürzung ändern sich jedesmal).
Hugo van Oosterhout